MacWood (provisorisches Forum)
#1

Die sommerliche Jagd

in Intime 20.10.2010 10:44
von Fenrir Mac na Coílle • 95 Beiträge

Die Sonne brannte gleißend auf die in Blüte stehenden Felder, die Bauern fürchten sich wenn die Sonne weiter so unerbittlich brennt dann wird die Ernte vergehen und für die Menschen Kaledoniens würde es ein Winter voller Hunger und Verzweiflung werden. Unweit von Dun Linhe wandert ein einsamer Mann über die grünen Hügel und blickt tief hinab in die Ebenen. In jene Ebenen in denen seine Feinde und sein Tod auf ihn warten. Der Sonnenwagen neigt sich nach einem langen und heißen Tag seinem Untergang entgegen und schemenhaft ist die Sichel des aufgehenden Mondes zu erkennen. Der bronzene Halsring liegt schwer auf seinen Schultern. Alles was in den letzten Umläufen geschehen ist, kommt zusammen und bündelt sich zu einer großen Entladung. Das Hufgetrappel der wilden Stute ist nahe und die schwarze Krähe zieht ihre Runden über dem einst friedlichen Land. Friede war es einst, was der Krieger finden wollte, doch diesen wird er in seinem Leben nicht mehr erfahren. Bei allen Göttern hofft er, dass seine Brüder und Schwestern eines Tages wieder ein Leben in Frieden führen können. Waren sie nicht alle Räuber und heimatlose Strolche gewesen? Und was sind sie jetzt? Heimatlose Krieger und freiheitsliebende Menschen. Sein Opfer für ihr Leben- ein fairer Tausch. Das letzte große Fest liegt nun wieder in der Ferne, an Belthaine hat er sich dem Licht verweigert und nun gilt es den letzten Teil des Handels zu vollführen. Die tiefe schwärze der Nacht ist sein Ziel, verlieren will er sich in ihrem Schoss.
Die Gedanken des Kriegers schweifen ab in die Erinnerungen die er an die letzten Tage hat. Viele Menschen scharten sich in den vergangenen Monden um ihn und den kleinen Rest seines Stammes. Kämpfer aus Ulster, Überläufer der Galloways, ja sogar einige Nordleute hatten sich dem Heerzug Kaledoniens angeschlossen. Eide wurden gegeben und die Zeit naht, da die Eide erfüllt werden wollen.
Was hatte er den Menschen aus der Ferne mit gegeben? Er hat sie raus in die Wildnis geführt, von ihnen grauenvollen Taten verlangt und sich nie dafür bedankt. Danksagungen haben in seiner Welt keinen Platz. Die Götter wollen Opfer für die Schmach die sie erleiden mussten und diese Opfer werden dar gebracht.
Lasair, eine Schmiedin aus Ulster, hatte ihn gebeten, sie und ihre Mannen für eine Weile in seinen Dienst zu stellen. Dieser Bitte ist er nach Belthaine nachgekommen. Lernen wollten sie, lernen was es bedeutet ein Sohn des Waldes zu sein, ein Mac na Coílle zu sein.
Unweigerlich fragt sich der Krieger, ob er seinem Teil des Eides nachgekommen ist, oder ob er undankbar gewesen ist und sie für seinen stetig wachsenden Wahnsinn missbraucht hat.
Die Jagd, auf die sie sich nach Belthaine begeben haben, war voller Blut und Schrecken. Nächtelang harrten sie aus, ohne zu Ruhen, nur um den verhassten Sassunach den Schrecken zu bringen, den sie vor nicht allzu langer Zeit über das Volk Kaledoniens gebracht hatten.
Erfolgreich sind sie gewesen, um den Göttern zu gefallen errichteten sie Schreine, in denen sie die Überreste ihrer erschlagenen Gegner zur Schau stellten, so dass jeder die schrecklich zugerichteten Leichen sehen konnte. Eine Warnung sollte es sein, eine Warnung an jeden der es wagen sollte das heilige Land der Götter zu schänden. Rache treibt sie an, Rache für die Opfer von Erins Tigh und Caer Coílle.


Nur die Nornen kennen der Welten lauf...

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#2

RE: Die sommerliche Jagd

in Intime 20.10.2010 13:16
von Siobhán • 97 Beiträge

Von weitem sah Siobhán Fenrir über die grünen Hügel streifen, die sanft gewellte Landschaft, die so sehr Heimat geworden war in den letzten Monaten. Unruhig wie ein Tier im Käfig strich Fenrir seit Wochen herum, gefangen in den eigenen Gedanken, der verschlossene Gesichtsausdruck eine eiserne Wand. Aber wer sollte es ihm verübeln? Immer näher rückte die Zeit des Abschieds und eine bedrückende Stimmung herrschte bei allen, denen der einsame Krieger zum Freund und Vater geworden war.
Auch Siobhán suchte die Einsamkeit, verloren in den eigenen bangen Gedanken um ihre Zukunft. Der Entschluss war gefallen, sie würde die Mac na Coille verlassen, und auch wenn sie niemals ganz Teil von ihnen gewesen war, so zog in stillem Abschied doch jedes einzelne der vertrauten Gesichter vor ihrem geistigen Auge vorbei. Der listige Fionn, der auf ihren Abschied hin nur ein "Aha." verlauten ließ und sich umdrehte. Ebony, Schwester und Freundin, die als wohl einzige ihre Entscheidung verstand und sie mit Tränen in den Augen ziehen ließ. Padreic, Argus, Sven...all jene, für deren Gespräche in den letzten turbulenten Wochen niemals der richtige Zeitpunkt gefunden worden war. Siobhán hoffte still, dass sie ihr irgendwann verzeihen würden.
Doch sie musste ihren eigenen Weg gehen, einen Weg, der die Pfade der Mac na Coille zwar hier und dort kreuzte, aber niemals eins mit ihnen war. Im Grunde waren sie alle Streuner, Heimatlose und Verlassene, verbunden in Loyalität und dem Bewusstsein ihrer eigenen Individualität.
Doch Siobhán brauchte ein Zuhause, dringender als alles andere. Eine starke Hand, die sie zurück auf den eigenen Weg brachte. Einen starken Geist, der ihren geplagten Kopf beruhigte und ihr auf dem Weg der Krähe beistand. Ausbildung, geistig und körperlich, um den ungezügelten Energien eine Richtung zu geben. Daher würde sie fortan dem Weg des weissen Wolfs folgen und das mit aller Konsequenz. Doch wie hatte Ebony gesagt? Ein Teil von ihr würde immer bei den MacWood bleiben und wenn man es mal praktisch betrachtete, räumliche Distanz war im Moment eh nicht möglich.
So lange der Krieg in diesem Land tobte, würden MacLog und MacWood immer zusammenstehen.
Seufzend ließ Siobhán sich auf einen der Baumstämme nieder und ihre Augen folgten erneut dem alten Krieger in der Ferne. Nein, ihm konnte sie es nicht sagen. Nicht in dieser Zeit, so kurz vor Samhain, wollte sie sein Gewissen mit ihren eigenen Sorgen belasten. Und auch Ebony hatte ihr dazu geraten, zu schweigen. Er würde es verstehen, irgendwann, wenn er selbst die Ruhe gefunden hatte, die er sich so verdient hatte.
Ein leichter Schauer lief ihr über den Rücken, als sie an das bevorstehende Samhainfest dachte. Eine lichtlose Zeit würde anbrechen und die dunkle Königin stand wie ein Schatten über allem. Aber Schatten war Siobhán gewohnt. Sheonaidh hatte ihr einen großen Teil der Angst vor IHR genommen und sie würde opfern, was nötig war. Damit in diesem Land irgendwann einmal wieder Frieden herrschen konnte.

Von weitem hörte sie Argus brüllen und verzog das Gesicht zu einem Grinsen. Die Unruhe hatte sie alle im Griff. Wohlwissend, was sie bei einer Einmischung erwartete, ließ sie sich ins weiche Gras zurückfallen und schloss die Augen.


"Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde. Sie ist in meinem Kopf. Und sie ist in meiner Seele.“

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#3

RE: Die sommerliche Jagd

in Intime 20.10.2010 13:32
von Fenrir Mac na Coílle • 95 Beiträge

Es war ein langer harter Sommer gewesen. Der Krieg ruhte, dennoch rumorte das Land. Der Hauch der Veränderung liegt in der Luft und die Nacht der Krähe rückt näher. Mac na Coílle. Dieser Name stand einst für Unabhängigkeit und Freiheit. Die Freiheit wurde zum Tribut des Krieges. Wir streichen nicht mehr ungebunden und unbeugsam durch die Wälder, unsere Wälder leiden unter der stählernen Faust der Sachsen. Asagrim hat dem Heer den Rücken zugekehrt, doch nun wüten sie schlimmer als zuvor. Thorwulf, der sächsische Prinz, hat die Heerführung übernommen und treibt seine Soldaten mit gnadenlosem Eifer gen Kaledonien.
Wenn eine Ära endet überkommen einen die seltsamsten Gedanken. Den ganzen letzten Umlauf, sinnte Fenrir darüber, wie er den Clan retten kann und ihnen den alten Traum wieder zu bringen. So wie es auch sein Schwur gewesen ist.
Er stirbt, der Clan lebt. Der Hauch eines Neubeginns kommt aus dem Westen heran. Sie werden sie wieder sehen. Die stolze Feste zwischen den Tannen und das Land für das sie kämpfen. Einige von den Jungen wissen gar nicht mehr, wie es dort aussieht. Sie kamen erst spät und haben sich trotzdem unter Eid gestellt. Bemerkenswert.
Und was bleibt in Kaledonien zurück? Sind wir nun ein Teil dieses Landes, oder sind wir immer noch Gäste? In den kurzen Sommernächten träumte er oft ein und denselben Traum:

(Dieser Traum gilt für euch Alle…und ja es ist der Traum den ihr schon mal im Januar hattet ;)…nur diesmal geht es weiter)

Nebel...sanfte wogen umgeben deinen leib. Dunkelheit macht sich in dir breit. angst, schrecken und Entwurzelung werden immer stärker in dir. ein knoten in deinem hals ist bis zum zerreißen gespannt...
bis eine leise stimme dich erreicht...

Neubeginn...Tod und Wiedergeburt

du fühlst dich wieder leichter und versuchst in der tiefen Dunkelheit deine Orientierung wieder zu finden.
langsam lässt der Nebel einen blick auf eine alte steinerne feste frei und im wind weht schlackert das blutgesprenkelte Banner der bunten Wildsau.
drei gestalten treten schemenhaft aus dem nebel...sie begrüßen einander und versammeln sich in der Mitte des alten Hofes.
über der linken gestalt wird schemenhaft das Symbol der großen Mutter ersichtlich, dass sich jedoch nicht wie gewöhnlich im Sonnenlauf dreht.
den mittleren krönt ein mächtiges Geweih, den dritten im Bunde umgibt eine schemenhafte krähe die ihre schwingen wie einen Umhang um seine schultern legt...

der erste: "wann sollen wir drei uns wieder sehen"
der zweite: " wenn der Schande genüge getan"
der dritte: "wenn das Schicksal sich erfüllt"
der erste: "redet von Schande und Schicksal, ihr die ihr erst frei sein werdet wenn ihr euch selbst erkannt habt "

der zweite: "wenn die schlacht gewonnen und verloren ist, sieht man den Keiler frei"
der dritte: "Aye, schlechtes ist gut und gutes ist schlecht"
der erste: "ewiger weg...die große Mutter bringt zusammen und trennt"

sie schauen in deine Richtung, die angst fängt erneut deinen verstand, doch bist du unfähig etwas zu sagen, geschweige denn dich zu bewegen.

die drei: "bringt zusammen, was zusammen gehört. der Wildheit freier schrei, soll erschallen in den Tälern die einst frei gewesen sind"

sie wenden sich um und gehen in dem nebel auf...
du beginnst zu fallen, tiefer immer tiefer zieht dich die Dunkelheit hinab, dein letzter blick gen Himmel gewährt dir den blick auf einen rotzen Drachen, der siegreich durch den Himmel gleitet...

Ihr schlagt heftig auf einer Baumwurzel auf und findet euch in einem Wald wieder. Ihr wisst nicht genau, ob ihr träumt oder wieder wach seid.

Langsam kommt ihr auf die Beine. Der Wald in dem ihr seid, ist euch fremd, dennoch spürt eine Rueh in euch, wie ihr sie lange nicht mehr erfahren habt. Es fühlt sich nahezu friedlich an.

Als ihr Gedanken verloren umher irrt, hört ihr mit einem Mal, Rufe aus dem Wald an euer Ohr dringen. Ihr könnt sie nicht deuten, aber sie rütteln euer innerstes auf und die Ruhe und der Frieden weichen aus euren Gedanken…Die Stimme kommt näher und näher und mit einem mal versteht ihr klar und deutlich…

Die Flüsse sollen sich rot durch die grünen Auen unserer Heimat ziehen, Sachsenschädel die Zinnen unserer Festen zieren.

Leise kam die Stimme einer Frau euer Ohr. Ihr öffnet die Augen und blickt in ein schönes und unheilvolles Gesicht. Sie lächelte nicht und sprach leise weiter...

Entfesselt den Zorn der Götter in euch, tut wofür ihr bestimmt seid.

Sie legte euch die Hand auf den Mund schaut kühl und zärtlich auf euch herab, beugte sich nach vorne und hält euch ein Messer an die Kehle. Unfähig euch zu bewegen seht ihr wie ihre Lippen erneut anfingen zu sprechen...

Zerreise die Ketten

...sie stach zu und mit unbändiger Wut im Herzen zu, ihr spürt wie euch das warme Blut die Kehle hinaufstieg. Verschwommen seht ihr die schattenhaften Gestalten eurer Freunde als der Lebenshauch euch verlässt. Eure Seele fällt wieder tief und tiefer hinein in das Zwielicht. Und wieder seht ihr den roten Drachen und die drei Gestalten…


Nur die Nornen kennen der Welten lauf...

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